Was hat das „Sonnenvitamin“ mit Zahnimplantaten zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Vitamin D spielt eine wichtige Rolle für unseren Knochenstoffwechsel – und damit für genau das Gewebe, in dem ein Zahnimplantat dauerhaft Halt finden soll.
Bei Dr. Steinebrunner & Kollegen in Kiel betrachten wir deshalb bei implantologischen Behandlungen nicht nur den einzelnen Zahn oder das Implantat. Unser Ziel ist es, möglichst gute individuelle Voraussetzungen für die Behandlung und die anschließende Einheilung zu schaffen.
Eine zusätzliche Möglichkeit ist dabei die Bestimmung des Vitamin-D-Status.
Doch wann ist ein Vitamin-D-Test sinnvoll? Was sagt der Wert aus? Und was weiß die Wissenschaft tatsächlich über den Zusammenhang zwischen Vitamin D und Zahnimplantaten?
Vitamin D: wichtig für Knochen und Zähne
Vitamin D übernimmt im menschlichen Körper zahlreiche Funktionen. Besonders bekannt ist seine Bedeutung für den Calcium- und Phosphatstoffwechsel.
Damit trägt Vitamin D zur Erhaltung normaler Knochen und Zähne bei. Darüber hinaus spielt es eine Rolle bei der normalen Funktion des Immunsystems.Für die Zahnmedizin ist vor allem der Zusammenhang mit dem Knochenstoffwechsel interessant. Auch unser Kieferknochen befindet sich keineswegs in einem statischen Zustand. Knochengewebe wird kontinuierlich auf-, ab- und umgebaut.
Und genau diese Prozesse sind bei einer Implantatbehandlung von besonderer Bedeutung.

Was hat Vitamin D mit Zahnimplantaten zu tun?
Ein Zahnimplantat wird als künstliche Zahnwurzel in den Kieferknochen eingesetzt.
Danach beginnt ein entscheidender biologischer Prozess: die Osseointegration.
Damit bezeichnet man die stabile Verbindung zwischen Implantatoberfläche und umgebendem Knochen. Vereinfacht gesagt soll der Knochen das Implantat fest integrieren.
Für eine erfolgreiche Implantateinheilung spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle, zum Beispiel:
- Qualität und Quantität des Kieferknochens
- Mundhygiene und parodontale Gesundheit
- Rauchen
- bestimmte Allgemeinerkrankungen
- Medikamente
- chirurgische und prothetische Faktoren
- individuelle Heilungsprozesse
Und zunehmend wird auch der Vitamin-D-Status wissenschaftlich untersucht.
Was sagt die Forschung zu Vitamin D und Implantaten?
Die wissenschaftliche Datenlage hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert.
Ein 2024 veröffentlichtes systematisches Review wertete sieben Humanstudien mit insgesamt 1.462 Patientinnen und Patienten und 4.450 Zahnimplantaten aus.
Die Autoren fanden Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen ausreichenden Vitamin-D-Werten und erfolgreicher Osseointegration. In einer der ausgewerteten Untersuchungen lag die Rate früher Implantatverluste bei Patienten mit schwerem Vitamin-D-Mangel höher. Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass weitere hochwertige klinische Studien notwendig sind.¹
Noch umfangreicher ist ein 2025 veröffentlichtes systematisches Review von Miron und Kollegen.
Hier wurden insgesamt 43 Studien, darunter 27 Untersuchungen am Menschen, ausgewertet. Nach Angaben der Autoren zeigten 22 der 27 Humanstudien einen positiven Zusammenhang zwischen einem ausreichenden Vitamin-D-Status und einer besseren Osseointegration beziehungsweise einem geringeren Risiko für frühe Implantatverluste. In einzelnen Untersuchungen war ein Vitamin-D-Mangel mit einem bis zu vierfach erhöhten Risiko für frühe Implantatverluste assoziiert.²
Wichtig ist dabei das Wort „assoziiert“: Ein Zusammenhang bedeutet nicht automatisch, dass ein niedriger Vitamin-D-Wert allein die Ursache eines Implantatverlustes ist. Implantaterfolg ist immer multifaktoriell.

Vitamin-D-Mangel und frühe Implantatverluste
Besonders interessant ist Vitamin D für die sogenannte frühe Implantateinheilung.
Bereits ein systematisches Review aus dem Jahr 2022 kam zu dem Ergebnis, dass Vitamin-D-Mangel in Tiermodellen die Knochenneubildung beziehungsweise den Knochen-Implantat-Kontakt negativ beeinflussen kann. Für den Menschen war die Evidenz zum damaligen Zeitpunkt deutlich schwächer. Die verfügbaren Humanstudien und Fallberichte zeigten jedoch bereits eine Tendenz zu mehr frühen Implantatproblemen bei niedrigen Vitamin-D-Werten.³ Neuere Humanstudien und Reviews verstärken inzwischen die Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang.²
Das bedeutet allerdings ausdrücklich nicht: „Vitamin D einnehmen = Implantat heilt garantiert ein.“
So einfach funktioniert der menschliche Körper nicht. Sinnvoller ist die Frage:
Liegt überhaupt ein Vitamin-D-Mangel vor – und könnte dieser einen zusätzlichen beeinflussbaren Risikofaktor darstellen?
Genau hier setzt eine Vitamin-D-Testung an.
Warum Vitamin D vor einer Implantation testen?
Bei einer Implantatbehandlung versuchen wir, möglichst viele relevante Voraussetzungen bereits vor dem Eingriff zu beurteilen. Wir untersuchen den Kieferknochen, beurteilen die Mundgesundheit, berücksichtigen Vorerkrankungen und Medikamente und planen die Implantatposition sorgfältig. Die Bestimmung des Vitamin-D-Status kann diese Diagnostik um eine zusätzliche Information ergänzen.
Ein Vitamin-D-Test kann beispielsweise interessant sein:
- vor einer geplanten Implantation
- bei umfangreichen Implantatversorgungen
- vor oder im Zusammenhang mit einem Knochenaufbau
- bei bekannten Risikofaktoren für einen Vitamin-D-Mangel
- bei auffälligen Heilungsverläufen
- nach ungeklärtem frühem Implantatverlust
Ob eine Bestimmung im individuellen Fall sinnvoll ist, besprechen wir mit unseren Patientinnen und Patienten persönlich.
Welcher Vitamin-D-Wert wird getestet?
Zur Beurteilung des Vitamin-D-Status wird üblicherweise 25-Hydroxy-Vitamin D – kurz 25(OH)D – im Blut bestimmt. Dieser Wert gibt Aufschluss über die Vitamin-D-Versorgung des Körpers. Das Ergebnis sollte allerdings nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend sind immer die individuelle gesundheitliche Situation und der jeweilige Behandlungskontext.
Und was ist mit Vitamin D und Parodontitis?
Auch hier gibt es interessante wissenschaftliche Hinweise.
Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus dem Jahr 2020 untersuchte 16 Studien. Dabei wurden bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Parodontitis im Durchschnitt niedrigere Vitamin-D-Werte im Blut festgestellt als bei gesunden Kontrollpersonen.⁴
Eine aktualisierte Meta-Analyse von 2023 untersuchte ebenfalls den Zusammenhang zwischen Vitamin D und Parodontitis. Auch hier fanden die Wissenschaftler Hinweise auf niedrigere Vitamin-D-Konzentrationen bei Menschen mit Parodontitis.⁵
Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Vitamin-D-Mangel automatisch eine Parodontitis verursacht oder dass Vitamin D eine Parodontitistherapie ersetzen könnte.
Die entscheidenden Maßnahmen bleiben die professionelle Behandlung der bakteriellen Entzündung, eine gute Mundhygiene und regelmäßige Nachsorge.
Vitamin D ist vielmehr ein weiterer interessanter Faktor im Zusammenspiel zwischen Mundgesundheit und Allgemeingesundheit.
Sollte man deshalb vorsorglich Vitamin D einnehmen?
Nicht automatisch. Gerade hier sehen wir einen Vorteil der Testung:
Erst messen – dann individuell entscheiden.
Eine hochdosierte Einnahme von Vitamin D ohne Kenntnis des eigenen Vitamin-D-Status ist nicht grundsätzlich sinnvoll. Zeigt die Untersuchung eine relevante Unterversorgung, kann individuell besprochen werden, ob eine weitere ärztliche Abklärung beziehungsweise eine gezielte Supplementierung sinnvoll ist.
Vitamin-D-Test in unserer Zahnarztpraxis in Kiel
Sie planen ein Zahnimplantat in Kiel oder möchten wissen, ob eine Bestimmung Ihres Vitamin-D-Status im Zusammenhang mit Ihrer Behandlung sinnvoll sein könnte? Sprechen Sie uns gerne darauf an. Bei Dr. Steinebrunner & Kollegen bieten wir die Vitamin-D-Testung als ergänzende Möglichkeit im Rahmen unserer modernen Zahnmedizin und Implantologie an.
Unser Ziel: Nicht nur das Implantat betrachten – sondern möglichst gute Voraussetzungen für Ihre Behandlung schaffen.
Häufige Fragen zu Vitamin D und Zahnimplantaten
Ist Vitamin D für Zahnimplantate wichtig?
Vitamin D spielt eine wichtige Rolle im Knochenstoffwechsel. Da ein Zahnimplantat in den Kieferknochen einheilen muss, wird der Vitamin-D-Status als möglicher Einflussfaktor auf die Osseointegration untersucht. Neuere systematische Reviews zeigen einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und ungünstigeren implantologischen Ergebnissen.¹ ²
Kann ein Vitamin-D-Mangel zum Implantatverlust führen?
Ein Implantatverlust kann zahlreiche Ursachen haben. Ein Vitamin-D-Mangel sollte deshalb nicht als alleinige Ursache angesehen werden. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass niedrige Vitamin-D-Werte mit einem erhöhten Risiko für frühe Implantatverluste verbunden sein können.² ³
Sollte Vitamin D vor einer Implantation getestet werden?
Eine generelle Testpflicht besteht nicht. Bei bestimmten Patientinnen und Patienten kann die Bestimmung des Vitamin-D-Status jedoch eine sinnvolle zusätzliche Information für die implantologische Behandlungsplanung darstellen.
Kann ich meinen Vitamin-D-Wert beim Zahnarzt testen lassen?
Bei Dr. Steinebrunner & Kollegen in Kiel bieten wir die Vitamin-D-Testung als ergänzende Leistung an. Sprechen Sie unser Praxisteam gerne darauf an.
Sollte ich vor meinem Implantat Vitamin D einnehmen?
Vitamin D sollte nicht allein aufgrund einer geplanten Implantation eigenständig hochdosiert eingenommen werden. Sinnvoller kann es sein, zunächst den individuellen Vitamin-D-Status zu bestimmen und bei einem festgestellten Mangel das weitere Vorgehen medizinisch abzustimmen.
Wissenschaftliche Quellen
1. Buzatu BLR et al. (2024): Impact of Vitamin D on Osseointegration in Dental Implants: A Systematic Review of Human Studies. Nutrients. 2024;16(2):209. DOI: 10.3390/nu16020209.
2. Miron RJ et al. (2025): Relationship between vitamin D deficiency and early implant failure and osseointegration. Periodontology 2000. DOI: 10.1111/prd.70017.
3. Werny JG et al. (2022): Does vitamin D have an effect on osseointegration of dental implants? A systematic review. International Journal of Implant Dentistry. 2022.
4. Machado V et al. (2020): Vitamin D and Periodontitis: A Systematic Review and Meta-Analysis.
5. Liu K et al. (2023): Association of vitamin D in individuals with periodontitis: an updated systematic review and meta-analysis. BMC Oral Health.
Hinweis: Wissenschaftliche Zusammenhänge zwischen Vitamin-D-Status, Parodontitis und Implantaterfolg werden weiterhin untersucht. Eine Vitamin-D-Testung beziehungsweise Supplementierung ersetzt weder eine sorgfältige implantologische Diagnostik noch eine Parodontitistherapie oder die individuelle medizinische Beratung.
Bildquellen: KI
